Information und Exformation

Information kennen wir ja als Begriff. Im systemischen Denken ist Information „ein Unterschied, der einen Unterschied macht“ (Gregory Bateson). Gablers Wirtschaftslexikon meint dazu, Information sei der Anteil einer Nachricht, der für den Empfänger neu ist. Der Begriff ist für uns gewohnt und üblich (wobei dann der Begriff „neue Information“ eine Tautologie wäre).

Der Begriff „Exformation“ hat sich noch nicht eingebürgert, obwohl wir ständig mit Exformationen umgehen (und auch gut damit leben konnten, dass wir den Begriff nciht kannten).

Der Begriff der Exformation ist auch noch nicht alt. Er wurde von dem dänischen Sachbuchautor Tor Nørretranders im Jahr 1991 in seinem Buch „Spüre die Welt. Die Wissenschaft des Bewusstseins“ erfunden. Inhaltlich ist Exformation in der Kommunikation alles, was wir als bekannt voraussetzen und deshalb nicht aussprechen beziehungsweise, was unserer Phantasie überlassen bleibt. Wenn wir heute von 9-11 sprechen, hat jeder ein Bild der brennenden World-Trade-Center-Türme vor Augen, ohne, dass wir etwas dazu erklären müssen. Das ist Exformation.

In der Kommunikation ist es ratsam, auf die Exformationen zu achten. Sie können nicht davon ausgehen, dass die von Ihnen genutzten Exformationen von jedem Hörer verstanden wird. Für einen Reiter (zumindest der klassischen Reitweise) ist der Begriff „halbe Parade“ klar und unmissverständlich, während ein Nichtreiter sich fragt, was das sein soll: Marschieren hier nur die Hälfte Menschen oder nur die Hälfte der Strecke? (Wer es wissen will, kann hier nachschauen).

Exformationen geben oft Anlass für Missverständnisse – manchmal auch lustige, wie mir eine Anwaltskollegin erzählte, die einen Angeklagten verteidigte, dem in der Anklage vorgeworfen wurde, eine Eidechse (so nennt man im Saarland oft die Paletten-Hubwagen) gestohlen zu haben. Dem Richter war offenbar nicht bekannt war, was unter dem in der Anklageschrift stehenden Begriff „Eidechse“ zu verstehen ist und ging von einer lebenden Eidechse aus. Es entspann sich bei der Vernehmung des Angeklagten zur Sache ein für alle anderen Beteiligten sehr amüsantes Frage- und Antwortspiel, vor allem, als der Angeklagte auf Frage des Richters die Größe der Eidechse erklären sollte und nicht verstand, warum der Richter über die Größe der Eidechse so erstaunt war.

Auch wenn man den Begriff der Exformation (bisher) nicht kannte, so ist es immer angeraten, bei Gesprächen oder Verhandlungen immer darauf zu achten, was nicht gesagt wurde. Das was Sie sich bei den Worten Ihres Gesprächspartners vorstellen, ist Ihre ureigene geistige Konstruktion und muss (wird) mit der Vorstellung des Gegenüber nicht übereinstimmen und vice versa.

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Über Gerfried Braune

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