… so heißt eine in 1. Auflage bereits 1989 erschienenes Buch von Dietrich Dörner, dass jetzt bereits in der 16. Aufl. in den Buchhandlungen steht. In diesem Buch geht es darum, dass das menschliche Gehirn mit Komplexität nicht umgehen kann. Auf dem Rückseitentext ist es wie folgt formuliert: „in komplexen, vernetzten und dynamischen Handlungssituationen macht unser Gehirn Fehler: Wir beschäftigen uns mit dem ärgerlichen Knoten und sehen nicht das Netz. Wir berücksichtigen nicht, dass man in einem System nicht eine Größe allein modifizieren kann, ohne damit gleichzeitig alle anderen zu beeinflussen. Können wir daran etwas ändern?“

Dieses Buch müsste eigentlich Pflichtlektüre eines jeden Entscheiders sein, insbesondere im politischen Bereich. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Politik derzeit, nicht nur in der Bearbeitung der Corona-Krise, schwer tut, überhaupt zu erkennen, dass es sich hier um komplexe Fragestellungen handelt. Sowohl in der Frage der Digitalisierung der Wirtschaft, der Steuerpolitik, der Sanierung des Gesundheitssystems und vielen anderen aktuellen gesellschaftsrelevanten Herausforderungen basteln die Politik, ebenso wie die öffentliche Meinung und die Presse nur an einzelnen Knoten anstatt das Netz zu sehen.

Grundlage dieser Fehlentwicklung ist es, dass die zur Entscheidung Berufenen die Komplexität der Fragestellung nicht begreifen oder nicht wahrhaben wollen. Gerade die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind noch von schlichtem Ursache-Wirkungsdenken bestimmt. Die komplexen Auswirkungen auf alle anderen Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens, auf die Demokratie und auf die Gesellschaft an sich werden überhaupt nicht diskutiert. Man fabriziert sich stattdessen auf eine (willkürlich gewählte) Inzidenz-Zahl.

Dabei wäre Zeit genug gewesen, sich Gedanken über die Auswirkungen des ersten Lockdowns Gedanken zu machen und mithilfe nicht nur der Virologen sondern auch alle anderen Wissenschaftler zu überlegen, welche Maßnahme welchen Erfolg gezeitigt hat und welche nachteiligen Entwicklungen mit sich gebracht hat. Aber da hätte man zunächst einmal auf die Idee kommen müssen, dass es sich hier um ein komplexes Problem handelt.

So verharren die Politik und die Medien in einer Problemlösung erster Ordnung nach Watzlawick. Und so warten die Bundesregierung sowie die Ministerpräsidenten bis heute auf die göttliche Erleuchtung (frei nach „ein Münchner im Himmel“).

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