Wolfgang Pfensig  / pixelio.de

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…das ist es, was ein Mediator lernen muss. Es ist normal, dass man als Mediator von den Medianden zwei Geschichten hört, die nicht zusammenzupassen scheinen. Als Mediator werde ich mich davor hüten, zu entscheiden, welche der Geschichten glaubhafter oder näher an der Wahrheit ist. Ich werde beide Geschichten als die subjektive Wahrheit des jeweiligen Medianden akzeptieren. Bei der Mediation geht es ja gerade nicht darum, herauszufinden, wer Recht hat und wer nicht (genauso wenig wie wer angefangen hat und wer nur reagiert hat).

Genau das ist die Herausforderung für jede Mediatorin und für jeden Mediator, beide subjektiven Wahrheiten auszuhalten und den Medianden zu helfen, eine Lösung zu finden, ohne dass entschieden werden muss, welche der beiden Wahrheiten nun wirklich wahr ist (wahrscheinlich keine).

Als Mediator/-in muss ich lernen, die automatische Beurteilung von Geschichten der Beteiligten an der Mediation in seinem Hirn abzuschalten. Wenn ihm/ihr das nicht gelingt, kann er als Mediator nicht wirklich neutral sein und empathisch. Gerade für Juristen, die immer nach DER Wahrheit suchen, ist dies ein ungewohntes Verhalten. Genauso wie es ungewohnt ist, im Kopf schon mögliche Lösungen zu entwickeln. Auch das sollte und darf ein Mediator, eine Mediatorin nicht tun. Nur so ist er offen für die Lösungsideen der Medianden und schafft auch den Raum und die Atmosphäre, eigene Ideen für die Lösung zu entwickeln.

So kann Mediation gelingen – und liebe Juristenkollegen, das ist eben doch etwas anderes, als irgendeinen Kompromiss als Vergleich hinzubasteln (auch wenn das immer noch besser ist, als sich bis zum bitteren Ende zu bekriegen).

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