Sie sollte eigentlich am Anfang jedes Mandats stehen oder zumindest vor Aufnahme eines Prozesses: Die juristische Risikoanalyse. Klar, das machen die Anwälte auch, dass sie zunächst einmal den Sachverhalt ermitteln und dann juristisch prüfen, ob der Fall nicht aussichtslos ist (es soll sogar Anwälte geben, die auch in einem solchen Fall im Interesse ihres Einkommens tätig werden). Eine solche Analyse ist aber nicht nur im Interesse der Vermeidung eigener Haftungsrisiken anzuraten, sondern auch im Interesse einer für den Mandanten zufriedenstellenden Mandatsbeziehung.Nicht zuletzt ist eine solche Risikoanalyse auch notwendig, um im Rahmen von Verhandlungen oder einer Mediation die eigene Verhandlungsposition einschätzen zu können.

Nicht zuletzt nutzen auch Prozessfinanzierer das Instrumentarium der Risikoanalyse, um zu entscheiden, ob ein Prozess übernommen wird.

Bei Risikoanalyse meine ich mehr als die Aussage, dass man große Chancen habe, den Prozess zu gewinnen. Es geht hier darum, die Risiken zu quantifizieren. Am besten ist es, hierzu einen Entscheidungsbaum zu erstellen, in dem das Problem zunächst einmal analysiert wird.

Hier ist ein (einfaches) Beispiel, wie die Risiken dann in einem weiteren Schritt quantifiziert werden und auch die Kosten berücksichtigt werden.

Anhand eines solchen Entscheidungsbaums können die Risiken viel besser abgelesen werden und auch die Ausstiegsalternativen im Falle von Verhandlungen sicher ermittelt werden.

Allerdings sollte man auch daran denken, dass die Menschen sich nicht wirklich nach dem Modell des rationalen Verhaltens richten. Es gibt einige Rationalitätsfallen, die zu berücksichtigen sind oder auf die man achten sollte. Das eine ist die Überbewertung der Stärke der eigenen Position. Das andere ist die Verlustaversion.

Eine Risikoanalyse ist auch für Mediatoren sinnvoll, wenn eine Partei meint, sich wegen der Stärke der eigenen Position nicht bewegen zu müssen. Führt man dann zusammen mit den Konfliktbeteiligten eine solche Risikoanalyse durch und die Beteiligten können erkennen, dass die eigene Position doch mit Risiken behaftet ist, so kann das festgefahrenen Verhandlungen nochmals Bewegungsraum zu verschaffen.

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