Liest man die Blogs oder Webseiten amerikanischer Mediatoren, so stellt man fest, dass dort in der Regel Mediation etwas anders betrieben wird als bei uns (auch die Ausbildungen sind zum Teil wesentlich kürzer als bei uns).

Ein essentieller Unterschied ist der, dass viele Mediatoren im angelsächsischen Bereich die Mediation nach dem single session model durchführen. Das bedeutet, dass die Mediationssitzungen so lange dauern, bis die Parteien sich geeinigt oder endgültig nicht geeinigt haben, gleichgültig ob es 3 Stunden oder 3 Tage dauert, wie eine Mediatorin hier beschreibt. Ein Setting der Mediation, das zumindest meines Wissens nach in Deutschland kaum angewandt wird. Für viele amerikanische Mediatoren ist wiederum das Modell mehrere zeitlich begrenzter Sitzungen fremd.

Sicherlich haben beide Methoden ihre Daseinsberechtigung, wobei ich nach wie vor die Mediation mit mehreren Sitzungen für besser und praktikabler halte.

Wenn Mediation in einer Sitzung mit offener Dauer bis zum süßen oder bitteren Ende durchgeführt wird, so hat das sicherlich den Vorteil, dass der durch Zeitablauf steigende Druck, jetzt endlich zu einer Lösung zu kommen, die Einigungsbereitschaft steigert (oder auch nicht?). Auf der anderen Seite frage ich mich, ob dieser Druck nicht eher dazu führt, Kompromisse einzugehen anstatt nach Konsenslösungen zu suchen. Auch habe ich die Erfahrung bei mehrstündigen Mediationen gemacht, dass sowohl die Parteien als auch der Mediator mit der Zeit weniger Konzentration und Geduld aufbringen können. Dies kann dazu führen, dass letztlich die Stimmung wieder aggressiver wird und eher eine Lösung verhindert als fördert.

One Session Mediationen können sicherlich dann hilfreich sein, wenn der Streitgegenstand begrenzt ist. Das ist aber eher die Ausnahme. In der Regel hat der Konflikt viele verschiedene Facetten, die man in einer einzigen Sitzung nicht durcharbeiten und lösen kann. Es wäre auch falsch, die verschiedenen Konfliktpunkte miteinander zu sehr zu verknüpfen. Aufgabe des Mediators ist es ja gerade, die Konfliktgegenstände und den Ablauf zu strukturieren.

In der Regel ist es auch für die Parteien hilfreich, wenn sie zwischen den einzelnen Mediationssitzungen nochmals in Ruhe nachdenken und die bisher gefundenen Ergebnisse bewerten können. Es geht ja gerade nicht darum, nach dem Motto, wir haben uns ja alle so sehr lieb, eine Regelung zu finden, die nur der Erfüllung des Wunsches nach Frieden dient, aber nicht wirklich den Interessen und Bedürfnissen der Beteiligten. Nur wer in Ruhe die offenen Fragen bedenken kann und sich ggfls. auch sachkundigen Rat, sei es vom Anwalt oder dem Steuerberater, einholen kann, wird einer Lösung wirklich zustimmen können.

Daher doch lieber nur 1 Stunde!

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