Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige als Mediatoren? Wie verträgt sich das mit der Rolle eines Mediators – zumindest nach dem Rollenverständnis in der facilitativen oder transformativen Mediation?

Diese Frage habe ich auch immer ausführlich mit den Teilnehmern meiner Lehrgänge “Mediation für Sachverständige (IHK)“, die ich in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes durchführe, diskutiert. Dies stellt zumindest dann, wenn ein Sachverständiger zumindest auch wegen seiner Sachkunde zum Mediator bestellt wird. Dann erwarten die Medianden eben auch, dass der Sachverständige nicht nur allparteilich neutral bleibt (das ist er auch als Sachverständiger), sondern auch zu den aufgeworfenen Fragen Stellung nimmt. Das verträgt sich aber nicht mit der Rolle des Mediators, der sich hinsichtlich eigener Stellungnahmen und Lösungsvorschlägen heraushält.

Durch Zufall bin ich nun auf einen guten Beitrag von Nicola Neuvians und Dr. Michael Hammes gestoßen, den sie in dem Journal of International Dispute Resolution bereits im Jahre 2004 veröffentlicht haben. Sie finden ihn hier im Netz.

Der Ansatz dort ist, dass die Sachverständigen-Mediation als Hybrid-Verfahren durchgeführtr wird, wobei eine klarer Trennstrich zwischen der evaluativen Tätigkeit als Sachverständiger und der facilitativen oder transformativen Tätigkeit als Mediator gezogen wird.

Zunächst wird der Sachverständigen-Mediator in seiner Rolle als Sachverständiger tätig und ermittelt aufgrund seines Sachwissen die notwendigen Fakten, ohne jedoch eine Bewertung in rechtlicher Hinsicht vorzunehmen. Das heißt, er löst den gemischten Sach- und Verteilungskonflikt aufgrund seiner Sachkunde soweit es um den reinen Sachkonflikt geht. Hinsichtlich des Verteilungskonflikts wird er dann als Mediator tätig und enthält sich dort eigener Stellungnahmen. Den Verteilungskonflikt lösen die Parteien dann in eigener Verantwortung mit Hilfe des Mediators.

Leider ist dieser Vorschlag eines explizit als Sachverständigen-Mediation bezeichneten Mediationsverfahrens nie näher diskutiert worden. Ich halte den Vorschlag für sehr gut, zumal er das Dilemma zwischen den verschiedenen Rollen als Sachverständiger und Mediator durch klare Strukturierung und Trennung der Konfliktbereiche zwischen Sach- und Verteilungskonflikt auflöst. Diese Trennung hilft auch dem Sachverständigen-Mediator, sein Verhalten der jeweiligen Rolle anzupassen, das heißt, sich im Mediationsteil der Sachverständigen-Mediation eigener Wertungen zu enthalten.