Vorwurf.jpgIch weiß nicht, wer diesen Satz geprägt hat, aber er ist gut und trifft es genau. Gerade in Trennungs- und Scheidungsmediationen spielen gegenseitige Vorwürfe immer eine große Rolle und versperren oft den Blick auf zukünftige Lösungen, weil Vorwürfe immer aus der Vergangenheit kommen und auch den anderen dazu nötigen, sich für Verhalten in der Vergangenheit zu rechtfertigen. Es ist daher für viele Medianden eine wirkliche Offenbarung, wenn ich ihnen diesen Satz sage.

Plötzlich wird die Sicht auf die Zukunft offen. Man muss sich nicht mehr rechtfertigen für das, was war. Man kann vielmehr nun für sich entscheiden, wie man mit dem (schlecht geäußerten) Wunsch umgehen will. Gerade als Mediator ist es zielführend, Vorwürfe zunächst als Wunsch (oder Erwartung) umzuformulieren. Dies nimmt dem Vorwurf auch die Schärfe. dadurch ist es dann auch der anderen Partei möglich, sachlicher darüber nachzudenken, ohne dass die eigenen Emotionen zu sehr stören.

Denn spätestens seit Watzlawick wissen wir, dass jede Kommunikation eine Inhalts- und eine Beziehungsebene hat. Vorwürfe haben einen starken Beziehungsaspekt. In der Regel wird daher der andere auf diesen Beziehungsaspekt reagieren und so kochen die Emotionen hoch. Ein Wunsch hat zwar auch einen Beziehungsaspekt, dieser ist aber weit mehr von Wertschätzung geprägt, als ein Vorwurf. So gelingt es in der Regel, auch wertschätzender zu antworten.

Probieren Sie es einfach mal beim nächsten Streit – mit wem auch immer – aus. Formulieren Sie den Vorwurf des anderen in einen Wunsch um und fragen Sie zurück, ob er/sie den Wunsch haben. Sie werden sehen, das Gespräch bekommt eine ganz andere Richtung, als wenn Sie versuchen, ihr Verhalten zu rechtfertigen.

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