Rick Weiler, ein bekannter kanadischer Mediator berichtet hier auf dem Kluwer Mediation Blog über eine Mediation, bei der es um Schadensersatzansprüche aus unerlaubter Handlung gegen zwei Versicherungen ging. Das würden zumindest die deutschsprachigen Mediatoren kaum als Mediation bezeichnen. Der Ablauf ist ganz anders als wir Mediation strukturieren und das ganze ähnelt eher einem Feilschen auf einem orientalischen Basar als einer Mediation.

In dem geschilderten Fall begann die Mediation um 10 Uhr am Morgen mit den opening statements der Parteien, in denen sie ihren Standpunkt darlegen. Dann werden die Parteien getrennt und der Mediator pendelt zwischen den Parteien hin und her. In dem geschilderten Fall fordert der Anspruchsteller zunächst von den Versicherungen einen Betrag von 673.713 $ zzgl. Zinsen und Kosten, nachdem er zuvor dargelegt hatte, das sein Schaden eigentlich mehr als 1 Mio. $ beträgt. Das Gegenangebot der Versicherungen belief sich dann auf gerade einmal 20.000 $ incl. Zinsen und Kosten. Das geht dann hin und her, wobei der Mediator mehr oder weniger, wie er selbst einräumt, lediglich der Überbringer neuer Zahlen ist. Abends gegen 18.15 Uhr ist die Einigung dann perfekt, bei einem Gesamtbetrag von 177.500 $. Die Einzelheiten können Sie in dem Blogbeitrag nachlesen.

Wir verstehen unter Mediation nicht das Verhandeln in Basarmanier. Dann können die Parteien auch vor Gericht gehen und mit dem Richter über einen Vergleich feilschen. Ich würde dieses Vorgehen allenfalls als Verhandlunghilfe durch einen neutralen Dritten bezeichnen. In keiner Weise wird hier der für die Mediation entscheidende Schritt von den Positionen zu den Interessen getan. Man bleibt auf der Ebene der Positionen und feilscht darum. Das mag dann angehen, wenn es sich um einen reinen Verteilungskonflikt handelt. In aller Regel handelt es sich nicht um reine Verteilungskonflikte.

Ich weiß auch nicht, ob europäische Verhandler die in dem Artikel angesprochene Geduld aufbringen würden, über 8 Stunden um eine Entschädigung zu feilschen. Offenbar sind die Hürden und der Aufwand für ein Gerichtsverfahren dort so hoch, dass man lieber so lange feilscht als vor Gericht zu gehen.

Auch würde ich keine Mediation über 8 Stunden am Stück durchführen. Das ist, zumindest dann, wenn man eine Mediation nach unseren Vorstellungen durchführt, kaum zumutbar, weder für die Parteien noch für den oder die Mediatoren. Da bleibe ich doch lieber bei unserer Art der Mediation.

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