Als Mediator muss man Verhaltensweisen von Personen in Verhandlungssituationen kennen, um eine Mediation zum Erfolg führen zu können.

Eine dieser typisch menschlichen Verhaltensweisen ist die reaktive Abwertung. Was bedeutet das? Menschen bewerten Vorschläge unterschiedlich, je nachdem von wem der Vorschlag stammt. So wurde in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ein identischer Abrüstungsvorschlag amerikanischen Bürgern vorgelegt, einmal als Vorschlag der Russen und einmal als amerikanischer Vorschlag. Der Vorschlag wurde von denen, die ihn für einen russischen Vorschlag hielten mehrheitlich als einseitig die Sowjetunion bevorzugend abgelehnt, die anderen, die von einer amerikanischen Idee ausgingen, hielten ihn zum großen Teil für ausgewogen (zitiert nach Christian Bühring-Uhle, Horst Eidenmüller, Andreas Nelle, Verhandlungsmanagement, Analyse, Werkzeuge, Strategien).

Dieser Gefahr muss sich der Mediator bewusst sein und dies bedeutet für den Mediator, dass es durchaus zielführend sein kann, bei der Visualisierung von Lösungsideen diese nicht zu kennzeichnen, von wem sie stammen oder dies sogar zu verschleiern. So kann der Mediator vermeiden, dass durchaus gute Lösungsideen nur deshalb abgelehnt werden oder schlecht bewertet werden, weil sie von der anderen Streitpartei stammen. Man kann sich auch behelfen, dass man Ideen und Lösungsvorschläge zunächst nicht visualisiert und dann alle Vorschläge auf einmal auf das Flipchart schreibt. So ist nicht mehr so bewusst, wer die Lösungsidee nun hatte.

Ist das Manipulation? Ich meine nein. Es soll nur erreicht werden, dass jede Lösungsidee objektiv bewertet wird und nicht nur deshalb keine Chance hat, weil sie von der anderen Mediationspartei stammt.

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